Schloss Kynžvart

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Der tragische Tod der Prinzessin

Museum Geschichten, Dr. Miloš Říha, 2004

Ganz am Rande des Königswarter Schlossparks steht auf einem Findling ein Kreuz aus weißem Marmor. Die lateinische Inschrift unter dem Kreuz können wir so übersetzen: „Aus Liebe und Ergebenheit, Antonia Pascalina, Comtesse von Waldstein und Wartenberg, geborene Prinzessin von Metternich-Winneburg, geboren den 20. April 1862, gestorben den 5. August 1890. R.I.P.“ Die Inschrift endet mit einem Psalm aus dem Psalmenbuch 116,8: „Eripuisti me a morte, oculos meos - a lacrimis, pedum meum a lapsu.“ („Errettet hast Du mich vor dem Tod, meine Augen vor Tränen und meinen Schritt vor Sünden.“ oder „Denn du hast meine Seele errettet vom Tode, meine Augen von Tränen, meinen Fuß vom Sturz.“ Psalm 116/8).

Seit Ende des 19. Jahrhunderts ist mit diesem Kreuz das Gerücht verbunden, auf welche Weise Prinzessin Antonia Pascalina an diesem Ort von Doggen zerrissen wurde, die ihr eifersüchtiger Ehemann auf sie gehetzt hatte. Welch schrecklicher Tod! Hie und da können wir auf dieses Gerücht auch in älteren Schlossführern treffen, so zum Beispiel im Artikel von Ladislav Babicky von 1969. In den historischen Quellen aus der Zeit der Jahrhundertwende finden wir über diese Tragödie keinen Hinweis. Wer war überhaupt jene unglückliche Prinzessin?

Nach dem Tod des ehemaligen österreichischen Staatskanzlers Clemens, Erbfürst von Metternich-Winneburg (1859) trat im November 1861 dessen Erbe der älteste männliche Angehörige der Hauptlinie an, und zwar des Kanzlers Sohn aus dessen zweiter Ehe, Prinz Richard Clemens. Dieser neue Fürst hatte zweifelsohne des Kanzlers diplomatisches Talent geerbt und schloss erfolgreich an den diplomatischen Kurs seines berühmten Vaters an. Von 1859-1870 wirkte er in Paris als österreichischer Gesandter des Kaisers Franz Joseph I. am Hof des französischen Kaisers Napoleon III. - seit 1870 lebte er abwechselnd in Wien und Königswart.

Richard Clemens hatte drei Töchter: Sophie, Antonia Pascalina und Clementine. Die älteste Tochter Sophie heiratete 1878 den Erbprinzen Albrecht von Oettingen-Spielberg und die 23-jährige Antonia Pascalina heiratete am 11. Juli 1885 auf dem Schloss Johannisberg den Grafen Georg Wilhelm von und zu Waldstein-Wartenberg. Die jüngste, Clementine, adoptierte nach vielen Jahren 1926 ihren sechsjährigen Urneffen Franz Albrecht von Ratibor, der ihren ungarischen Herrschaftssitz sowie das Schloss Bajna erbte.

Also Prinzessin Pascalina war glücklich verheiratet. Und wie verhielt es sich mit ihrem eifersüchtigen Ehemann? Das Gerücht behauptet sogar, der junge Förster sei ein Objekt der Begierde der Prinzessin gewesen. Zum tragischen Tod kam es nur fünf Jahre nach der Hochzeit und die Prinzessin starb in Dux (Duchcov). Also warum nicht am Ort der Tragödie, auf Königswart? Sicher gibt es Grund zu Zweifeln.

Drehen wir etwas am Zeitrad und halten wir 1895, also fünf Jahre nach jener Tragödie, ein. Damals starb nämlich am 1. März in Wien Fürst Richard von Metternich, der, wie wir bereits wissen, keinem männlichen Nachkommen hinterließ. Der Tradition und den Erbgesetzen des Fideikomis gemäß, gingen der fürstliche Besitz sowie alle Rechte ohne Einschränkung auf den Sohn des Kanzlers aus dessen dritter Ehe, Richards Stiefbruder, Paul Clemens Lothar, Doktor des Rechts, über. Nach Königswart kam er schon kurz darauf gemeinsam mit seiner Familie, seiner Frau Melanie, geborene Fürstin von Zichy-Ferraris zu Zich und Vásonykeö sowie Verwandten von Seiten seiner Gattin. Aus den Dokumenten geht weiter hervor, dass es damals innerhalb weniger Monate zu einer kompletten Auswechselung aller Bewohner des Schlosses, der Herrschaft wie auch des Personals kam. Die Familien der einzelnen Familienzweige vertrugen sich untereinander nicht, und die neue Herrschaft konnte nicht ertragen, dass sich jemand der „älteren“ Garde auf Königswart befand. Sogar die Witwe Fürst Richards, die diesen um ganze 26 Jahre überlebte, musste von Königswart nach Wien übersiedeln, wo sie bis 1921 abseits der neuen Familienbande lebte und nie mehr nach Königswart durfte.

In den letzten Jahren hatte ich die Möglichkeit, mehrere Male sehr ausgedehnt mit der Gattin des letzten Schlossbesitzers Paul Alfons, Fürst von Metternich-Winneburg, zu sprechen. Fürstin Tatiana, geborene Vasilcikov, erinnert sich sehr gut an die Geschehnisse während der Kriegsjahre, die sie mit ihrem Mann bis Ende 1945 auf dem Schloss erlebte. Ich habe auch sie gefragt, ob sie etwas über die Königswarter Tragödie gehört habe. Sie bestätigte, dass dieses Gerücht bereits vor 60 Jahren so ähnlich erzählt worden sei. Mehr oder weniger zufällig habe sie erst kürzlich darüber „bei den Waldsteins“ gesprochen und diese interpretieren die ganze Angelegenheit ganz anders: Prinzessin Pascalina starb demzufolge an einer Vergiftung infolge einer komplizierten Geburt, und ihr Mann starb nur drei Monate später in Wien. Als aber „die Neuen“ nach Königswart kamen, versuchten diese, so übel wie möglich über „die Alten“ aus der Familie Richard Clemens´ zu reden. Daher verbreiteten sie absichtlich dieses Gerücht, welches ein sehr schlechtes Licht nicht nur auf die Prinzessin, sondern auch auf deren ganze Familie wie ihren Ehemann und die Waldsteins im Ganzen werfen sollte.

Also – das hätten wir! Der ganze Wirrwarr hat im Ganzen einen erklärbaren Kern: normale, unerklärliche, menschliche, üble Nachreden. Da es auf Königswart zu einem Wechsel der gesamten Bewohnerschaft gekommen war, blieb niemand, der dieses Gerücht Lügen strafen konnte. Wenn wir gründlich am Ort des Todes jener Prinzessin forschen sollten, würden wir sicher weitere Dokumente zu ihrem Tod finden. Das Gerücht aber wird von Zeit zu Zeit weiterleben und Leute steuern auch jenes Unanfechtbare bei: an jedem Gerücht ist ein Körnchen Wahrheit, es gibt kein Feuer ohne Rauch. Hoffentlich habe ich wenigstens Sie davon überzeugt, dass alles auch anders sein kann.