Schloss Kynžvart

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Die Mumie vom ägyptischen Vizekönig

Museum Geschichten, Dr. Miloš Říha, 2004

Zu den größten Attraktionen des Königswarter Kuriositätenkabinetts gehören sicherlich zwei in hölzernen Särgen aufbewahrte altägyptische Mumien – ein Sarg mit der Mumie des Priesters Kenamun, des Wächters des Pharaonenschatzes Thutmos III. aus der 18. Dynastie der Zeit des Neuen Reiches und der Sarg der Mumie des Priesters Pentahutrese aus der Spätzeit, wohl aus der 26. Dynastie stammend, sowie einige Grabbeigaben des alten Ägyptens; unter diesen befindet sich beispielsweise eine sogenannte Kanope aus Alabaster mit einem Deckel in Gestalt des Horus-Sohnes Duamutet mit Schakalenkopf, welche der Aufbewahrung von Innereien (meist der Leber) des einbalsamierten Toten namens Udschahorresnet diente. Darüberhinaus finden wir etwa sechzig kleinere Museumsstücke: Textilien, Reste von Grabausstattungen, Siegel, Grabamulette usw.

Heute möchte ich Ihnen gerne erzählen, wie diese altägyptischen Denkmäler überhaupt nach Königswart kamen und wer Muhammad Ali war, jener ägyptische Vizekönig, der beide Mumien sowie eine Reihe weiterer ägyptischer Sehenswürdigkeiten 1825 Kanzler Metternich für dessen Königwarter Museum widmete.

Muhammad Ali war ursprünglich einfacher Soldat, ein albanischer Söldner, der dank seiner militärischen Fähigkeiten schnell aufstieg. 1799 befehligte er die türkische Armee während deren erfolglosen Versuches, Napoleons ägyptische Expedition zu verhindern. Als ägyptischer Pascha war er von seinem osmanischen Sultan relativ unabhängig. Er war ein großer Bewunderer Frankreichs und modernisierte die Wehrkräfte sowie deren Administrative, gründete Schulen und veranlasste eine Reihe öffentlicher Bauten, vor allem Bewässerungsanlagen.

Seine Zeitgenossen aber sahen in Muhammad Ali zugleich den ersten Geschäftsmann und Grabräuber der modernen Ägyptologie. Mit altägyptischen Denkmälern handelte er im Großen oder beschenkte mit diesen europäische Machthaber und erkaufte sich die Gunst von Freunden und politischen Verbündeten. Dies gilt übrigens auch für beide altägyptische Mumien, die er dem österreichischen Kanzler Metternich schenkte. Persönlicher Berater des ägyptischen Vizekönigs war der französische Oberkonsul in Ägypten, der „kultivierte Pirat“ Bernardino Drovetti, und gerade dieser empfahl ihm den einflussreichen Metternich.

Muhammad Ali hatte 1821 wiederholt Griechenland angegriffen und sicher wollte er auch hier sein Gebiet des Raubes historischer Altertümer erweitern. Hiermit aber erzürnte er europäische Regenten und verlor die Unterstützung Frankreichs. Um dieses wieder etwas gut zu machen, schickte er 1826 dem französischen König Charles X. (1824-1830) eine lebendige Giraffe.

Die junge Giraffe kam im Sudan zur Welt und musste eine Reise von 3500 Meilen (über 5500 Kilometer) absolvieren: zuerst auf dem Nil und danach von Alexandrien über das Mittelmeer bis hin zum Hafen von Marseille, wo sie überwinterte. Zu ihrer Begleitung gehörten ein nubischer Pfleger, drei melkfähige Kühe, zwei Schafe, eine Antilope sowie der Gründer des Pariser zoologischen Gartens Etienne Geoffroy Saint-Hilaire. Als dann im April 1827 die Giraffe ihren 41-tägigen Triumphmarsch nach Paris antrat, war aus derer Reise eine Sensation geworden, welche die Titelseiten der Zeitungen und Magazine besetzte. Alle redeten und schrieben nur über die Giraffe. Selbst der Schriftsteller Michael Allin beschrieb detailliert die Reise der Giraffe. Es handelte sich nämlich um die erste und zugleich berühmteste Giraffe Frankreichs. In Lyon kamen angeblich 30 000 Leute zusammen, um die Giraffe zu sehen. Letztendlich beeinflusste sie die Mode: in der Saison 1827 trugen Damen Giraffenflecken auf Gesellschaftskleidern und Abendroben, der beliebteste Schnitt betonte einen langen und dünnen Hals, man trug hoch auftoupierte Frisuren und nach der Giraffe wurde sogar eine neue Form der Grippe benannt. Es entstand eine ganze Estrade von Parodien und der Triumphzug nach Paris wurde zum feierlichen Höhepunkt der Saison. Es bleibt hinzuzufügen, dass die Giraffe danach noch 18 Jahre lebte und bis zum Jahr 1845 war sie Anziehungspunkt des Pariser Jardin des Plantes.