Schloss Kynžvart

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Metternich und die Freimaurer

Museum Geschichten, Dr. Miloš Říha, 2004

Die mit vielen Gerüchten und Legenden umwobenen Logen der Freimaurer waren durch alle Jahrhunderte Ihrer Existenz jedem totalitären Regime auf der Welt ein Dorn im Auge. Die geheime freimaurerische Symbolik und besonders die Gedankenfreiheit, Offenheit der Meinungen und die Toleranz gegenüber der Meinung der anderen machte aus diesen ehrenwerten Männern eine versteckte Drohung für die Welt der Intoleranz und des Dogmatismus. Es entstand sogar eine allgemeine Vorstellung von einer Weltverschwörung, die übrigens auch durch die katholische Kirche bis zum II. Vatikanischen Konzil (1962-65) unterstützt wurde.

Auch wenn die Tradition die Freimaurerei sehr tief ins Altertum zurücklegt (4.000 v. Chr.) und die geheime freimaurerische Symbolik von den Begriffen und Symbolen der mittelalterlichen Baumeister der Kirchen und Kathedralen abgeleitet wird, ist die moderne Freimaurerei ein typisches Produkt der Aufklärung des 18. Jh. und ihres Humanismus. Bedächtige und weise Männer, die sich regelmäßig in ihren Logen treffen, um dort in romantischen Kulissen nach jahrhunderte alten Regeln zu philosophieren und für Arme, Schwache und Kranke zu sammeln, haben selbstverständlich keine Ambitionen irgendeine Weltverschwörung vorzubereiten oder durchzuführen. Die Hauptgedanken ihrer Mitgliedschaft in der Loge sind: sich selbst zu vervollkommnen, Toleranz zu pflegen und den „Tempel der Humanität“ zu errichten. Nur als gewisse Nebenprodukte dieser Gedanken entstanden einige grundlegende Dokumente der modernen Geschichte – z.B. die amerikanische Unabhängigkeitserklärung, die Verfassung der Vereinigen Staaten von 1787, sowie die Charta der Menschenrechte von 1791 (10 Ergänzungen zur Verfassung), die französische Deklaration der Menschen- und Bürgerrechte und die Verfassung von 1791, usw.

Die Ideale der Aufklärung und des Humanismus sprachen auch viele europäische gekrönte Häupter an, die Schrecken der französischen Revolution jedoch erschreckten sie wiederum. Schon seit den dreißiger Jahren des 18. Jh. war auch der Gatte der Kaiserin Maria Theresia, Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen Freimaurer. Er trat im niederländischen Den Haag in die Loge ein. Kaiser Josef II. war selbst zwar kein Freimaurer, er stellte aber in seiner Kabinettsurkunde von 1785 die Freimaurerei unter seinen Schutz. Gleich im folgenden Jahr gründete der Freimaurer Graf Künigl in Prag die Taubstummenanstalt in Klárov. Ein anderer Freimaurer, Baron Ignatz von Born, machte sich wiederum um die Gründung der Privaten Gelehrtengesellschaft verdient – die spätere Königliche Tschechische Gesellschaft der Wissenschaften.

Nach der französischen Revolution 1789 wurde alles anders. Kaiser Franz I., der nach dem Tod von Kaiser Leopold II. im Jahr 1792 den Thron bestieg, hatte panische Angst vor allen geheimen Gesellschaften und besonders vor solchen, die mit ihren freien Ansichten die Stabilität des Reiches hätten beeinflussen können. Deshalb gab er seinen politischen Geheimagenten einen deutlichen Auftrag und das Ergebnis war zuerst eine Reihe von Prozessen mit ungarischen und Wiener Jakobinern und später auch ein spürbarer Druck auf die Freimaurer. Die einzelnen Logen stellten nach und nach ihre Tätigkeit ein und in ganz Österreich kamen die Freimaurer gewissermaßen auf den „Index“. In einem amtlichen Dekret aus dem Jahre 1801 proklamierte Kaiser Franz I. die Unvereinbarkeit von staatlichem Dienst und gleichzeitiger Mitgliedschaft in einer Loge.

Kanzler Metternich hatte die Freimaurer überhaupt nicht gern. Als ein loyaler Diplomat, seit 1809 Außenminister und seit 1821 österreichischer Staatskanzler, respektierte er das erwähnte Dekret seines Kaisers. Darüber hinaus war er selbst ein überzeugter Gegner aller revolutionären Veränderungen und in der Freimaurerei sah er die Wurzeln der französischen Revolution. Die Freimaurer trafen sich inzwischen geheim und zu ihrer freimaurerischen Arbeit fuhren sie von Wien nach Ungarn und von Böhmen hauptsächlich nach Sachsen, wo das kaiserliche Verbot nicht galt. Unter ihnen war auch Metternichs Vater, Franz Georg Fürst von Metternich (1746 – 1818), Mitglied einer sächsischen Loge. Die geheimen Kontakte der Freimaurer können gewöhnlich nicht belegt werden und deshalb können wir nur annehmen, dass unter den besuchten Freimaurern auch Johann Wolfgang von Goethe (wohl 1808) und vielleicht auch Ludwig van Beethoven waren. Ob von diesen Besuchen und weiteren Treffen in Sachsen Metternich selbst erfuhr, darüber können wir nur spekulieren.

Eine Ironie des Schicksals ist die Tatsache, dass ein weiterer Freimaurer in der Umgebung von Metternich sein Sohn und Erbe, Fürst Richard von Metternich, war. Dieser Karrierediplomat wurde 1859 österreichischer Gesandter des Kaisers Franz Josef I. am Hof des französischen Kaisers Napoleon III. in Paris. Dort trat er in eine Freimaurerloge ein. Im Jahre 1871, nach Beendigung seiner diplomatischen Mission, kehrte er nach Wien und Königswart zurück und pflegte seine freimaurerischen Kontakte weiter. Nach seinem Tod 1895 gelangten seine rituellen Freimaurerschurze und weitere typische Gegenstände, die Fürst Richard und sein Großvater Franz Georg benützt hatten, ins Kuriositätenkabinett. Das ist aber noch nicht alles. Als im Herbst 2002 die Tätigkeit der Loge „Goethe im Tal des Friedens“ in Marienbad nach 64 Jahren erneuert wurde, fand das erste feierliche Treffen der Freimaurer wieder im Schloß Königswart statt. Wer weiß, was dazu Kanzler Metternich gesagt hätte.