Schloss Kynžvart

Offizielle Präsentation

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Aufgrund der Ladislav Špaček Etikette Kurse findet am Samstag, den 23. Juni um 14 Uhr und am Sonntag, den 24. Juni, der Betrieb der Schlossinnenräume von Metternich statt. ab 13:00 Uhr unterbrochen. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

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Spanien in Königswart

Museum Geschichten, Dr. Miloš Říha, 2004

Wir könnten ein gutes Stück spanischer Nationalgeschichte aus den Gegenständen des Königswarter Kuriosenkabinetts zusammenlegen. Deswegen kann eine kleine Wiederholung dessen, was wir von unseren europäischen Partnern auch wissen sollten, nicht schaden.

In einer kleinen, unauffälligen Schachtel aus hellem Furnier befinden sich ein Schädelstück, einige Knochenteile und ein gefaltetes Blatt Papier. Der Briefschreiber bestätigt hierin, dass es sich um die Überreste des spanischen Nationalhelden El Cid und dessen Frau Ximene handle. Dieser kastilische Kämpfer gegen die arabische Expansion, der von 1043-1099 lebte, hieß eigentlich Rodrigo Diaz de Vivar und den Beinamen „El Cid Campeador“ erhielt er erst nach der Schlacht bei Llantade; die Spanier nannten ihn „El Campeador“, der Kämpfer, und arabische Mauren wiederum „Cid“, Herr. Bereits mit siebzehn Jahren wurde er zum Ritter geschlagen. Der kastilische König Sancho war schon kurz nach seiner Ernennung ermordet worden, sein Bruder Alfonso trat dessen Nachfolge auf dem kastilischen Thron an. Hier hörte er von der Lojalität El Cids, versah ihn mit Vollmachten, gab ihm seine Nichte Ximene (Jimena de Vivar, 1051-1115) zur Frau und schickte ihn später als Gesandten nach Sevilla, wo er für den König die alljährlichen Steuern einnehmen sollte. El Cid schaltete sich in den Konflikt von Granada ein und später führte er eine Strafexpedition gegen Toledo. 1094 eroberte er das maurische Königreich Valencia. Als er am 10. Juli 1099 verstarb, beweinten ihn viele Leute als Nationalhelden. Das in Versen verfasste Epos „Lied über Cid“ ist das älteste Denkmal spanischer Literatur.

An den Tod eines anderer Spaniers erinnert ein Stück Leichentuch von Don Carlos (1545-1568), dem ältesten Sohn des Königs Philipp II. von Spanien. Das Schicksal dieses nie anerkannten Thronnachfolgers, der von seinem Vater in Gefangenschaft gehalten wurde, wurde besonders durch die in Versform gehaltenen Tragödie Friedrich Schillers (1787) sowie die Oper Giuseppe Verdis (1867) bekannt. Daher nimmt es kein Wunder, dass ein Stück des Leichentuches im Königswarter Museum nicht fehlen darf.

Der nicht anerkannten Thronfolger gab es in Spanien mehrere. Unter diesen gibt es einen weiteren Don Carlos, der Bruder König Ferdinands VII., ein Zeitgenosse Kanzler Metternichs. Die Anhänger Carlos´ versuchten ohne Erfolg das Anrecht auf den Thron Don Carlos´ (1788-1855) in den sog. Carlos-Kämpfen in den Jahren 1833-1849 durchzusetzen. Dies schlug jedoch fehl und anstelle Don Carlos´aus dem Geschlecht der Bourbonen wurde die erst dreijährige Isabella Königin von Spanien. Die Politik war wieder einmal stärker und Metternich sollte an diese Episode durch eine Kinderkleidung des wohl vierjährigen Don Carlos sowie eine blaue Baskenmütze der Carlos-Anhänger von 1837 erinnert werden.


Kehren wir aber noch zur Jahrhundertwende vom 16. zum 17. Jahrhundert zurück. In Spanien schrieb zu dieser Zeit der Schöpfer des Nationaldramas und fruchtbare Autor Lope Félix de Vega Carpio (1562-1635) seine Schauspiele. Als zweihundert Jahre später der Herzog de Osuna die Handschrift des Theaterstückes „Comedia famosa de la reyna Maria“ Kanzler Metternich widmete, zweifelte niemand daran, dass es sich um den einzigen bekannten Text dieses Schauspiels handle, welcher zudem eigenhändig vom Autor selbst geschrieben worden war. Heute bezweifeln einige Wissenschaftler, dass Lope de Vega Carpio die ganze Königswarter Handschrift niederschrieb, wohl unterzeichnete er eine Abschrift und neben seine Unterschrift schrieb er „orijinal“. Andere Wissenschaftler hingegen schätzen das Königswarter Unikat als einen der größten literarischen Schätze der Schlossbibliothek. Vor kurzem wurde die ganze Handschrift digitalisiert und schon bald wird sie neuen Forschungen von Seiten einiger Experten unterzogen.

Weitere Dutzend Bücher erzählen in des Kanzlers Bibliothek über die spanische Nationalgeschichte und Literatur und geben Auskunft über Nachrichten der ersten Reisenden von deren Expeditionen zwecks Erforschung spanischer Kulturgeschichte und Natur. Diese Bücher sind größten Teils aus dem 18. Jahrhundert, aber noch lange waren sie oft einzige Informationsquelle über dieses schöne Land. Ein Stück Spanien auf dem Schloss Königswart!