Schloss Kynžvart

Offizielle Präsentation

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Wie der Suezkanal gebaut wird

Museum Geschichten, Dr. Miloš Říha, 2004

Die Antwort auf die Frage, wie der Suezkanal gebaut wurde, wird wohl kaum einer auf Schloss Königswart suchen. Aufmerksame Leser der „Geschichten des Königswarter Museums“ auf den Seiten des Egerer Tagblatts kann aber heute sicher nichts mehr überraschen. Blättern wir daher in der umfangreichen Dokumentation der fürstlichen Schlossbibliothek und frischen wir unsere historischen wie technischen Kenntnisse von diesem überwältigenden Bauwerk auf.



Gehen wir zuerst einmal weit in die Geschichte zurück. Bereits die ägyptischen Pharaone spielten mit dem Gedanken jenen Kanal zu vertiefen, der das Rote Meer mit dem Mittelmeer verbinden sollte. Diese Aufgabe wollten sie durch ein System kleinerer Kanäle lösen. Schon Pharao Senusret I. machte erste Versuche, den Nil mit dem Roten Meer zu verbinden, und das vor 3940 Jahren! Am Ende des 7. Jahrhunderts v Chr. liess Pharao Necho II. einen Kanal vertiefen, dessen Reste nach Wadi Tumilat noch heute im Terrain erkennbar sind. Kurz nach der islamischen Eroberung Ägyptens in den Jahren 636-640 lies Amr Ibn el-As den Kanal reparieren, aber bereits 767 lies Abbasid Kalif El-Mansur diese Wasserstrasse schließen, um die Versorgung der Aufständischen im Nildelta einzuschränken. Bei all diesen ältesten Versuchen handelte es sich stets um ein Gebilde kleinerer Kanäle. Demhingegen erwog der französische Kaiser Napoleon I. die Konzeption eines großen Kanals, der auch für große Überseeschiffe geeignet wäre und versprach sich davon einen zerstörerischen Schlag gegen die englische Handelswirtschaft. 1798 jedoch beendeten Napoleons Inspektoren jede weitere Debatte mit der Feststellung, dass der Spiegel des Roten Meeres um ganze neun Meter höher liege, als der Meeresspiegel des Mittelmeeres. Erst 1847 zeigten neue Messungen, dass die französischen Inspektoren vor fünfzig Jahren falsch gemessen hatten und die Meeresspiegel beider Meere weitgehend gleich hoch seien. Naja, man messe zweimal …

Ferdinand de Lesseps wurde am 19. November 1805 in Versailles in die Familie französischer Diplomaten geboren und war begeistert von der Kultur des Mittleren Ostens und dessen Potenzial für die Entwicklung des Handels. Als Diplomat besuchte er öfters diese Teile des Mittleren Ostens und gewann hier neue Kontakte. In Ägypten wurde er eng mit den Mitgliedern der Familie des osmanischen Gouverneurs, des ägyptischen Pascha und hier besonders mit dem jungen Prinzen Muhammed Said bekannt. Als 1854 der Pascha Abbas, wohl infolge eines Mordanschlages, verstarb und Lesseps´ Jugendfreund zum neuen ägyptischen Vizekönig ernannt wurde, eilte Ferdinand de Lesseps nach Ägypten, wo ihm Muhammed Said ein mehr als nur herzliches Willkommen bereitete.

Als begeisterter Ingenieur begann er aufs Neue drängend Investoren aus Frankreich, Italien, Österreich, Ägypten, Russland und den Vereinigten Staaten von Amerika zu überzeugen. In England stiess er auf keinerlei Unterstützung, denn dieses unterstützte den Ausbau des Eisenbahnnetzes und hatte daher kein Interesse, eine Investition durch ein Konkurrenzprojekt zu entwerten. Bei seinen Vorlesungen, die dem Bekanntwerden des Projektes dienen sollten, traf Lesseps in London auf Hohngelächter und Vorbehalte. Beispielsweise beteuerte der bekannte Eisenbahnbau-Ingenieur Robert Stephenson, dass sich der Kanal mit Schlamm anreichere und zu einem einzigen „großen stinkenden Graben“ werde. Letztendlich überzeugte Lesseps den französischen Kaiser Napoleon III. 1856 wurde er zum Konsul von Kairo ernannt und erhielt zugleich eine Konzession zum Bau und Betrieb des Suezkanals. Die eigentlichen Arbeiten begannen 1859. Der ägyptische Pascha Muhammed Said erwarb 44% der Gesellschaft, womit er diese finanziell aufrechterhielt.

Zur feierlichen Eröffnung am 17. November 1869 lud der Pascha Ismáil eine Reihe seltener Gäste ein. So reisten die französische Kaiserin Eugenie, der österreichische Kaiser, der Prinz of Wales, Prinzen aus Preussen und den Niederlanden an. Über sechstausend Zuschauer verfolgten das Feuerwerk im Hafen von Said. Zwei Anordnungen von Schiffen fuhren zugleich von der nördlichen wie südlichen Seite des Kanals ab, um sich bei Ismaili zu treffen. Zur feierlichen Eröffnung des Opernhauses von Kairo komponierte Giuseppe Verdi seine berühmte Aida.

Der Suezkanal ist 161 Kilometer lang, etwa 13 Meter tief und zwischen 80 und 180 Meter breit. Dank seines Baus verkürzte sich die Schiffsreise nach Vorderindien um 10 000 km. Heute fahren jährlich etwa 20 000 Schiffe durch den Suezkanal. Der französische Ingenieur Ferdinand de Lesseps begann 1879, mit 74 Jahren, einen neuen Kanal quer durch das südamerikanische Panama zu planen. Die Arbeiten wurden 1881 aufgenommen, aber das ist bereits ein anderes Kapitel. Unsere heutige Geschichte handelt somit von den erfolgreichen Anstrengungen, Träume und Visionen zu realisieren, und dies entgegen allen Einwänden und schlechter Nachreden anderer. 1884 wurde Ferdinand de Lesseps zum Mitglied der Französischen Akademie ernannt. Er verstarb am 7. Dezember 1894.